Geschichte

Die ersten Ausformungen der ägyptischen Kultur entstanden etwa 4000 Jahre vor Christi Geburt. Basierend auf den Leistungen im Niltal und im Nildelta sesshaft gewordener Getreidebauern entwickelten sich zunächst zahlreiche Kleinherrschaften. Um 3000 vor Christi Geburt gelang es dem legendären Herrscher Menes, Ober- und Unterägypten zu vereinigen. Ihre Legitimation als absolute Herrscher, denen Land und Fluss als Quasi-Privateigentum gehörten, leiteten die Könige von Altägypten von ihrer Eigenschaft als Abkommen von Re, dem Sonnengott, ab. Die Pharaonen (Könige) galten als irdische Stellvertreter der Götter, deren Willen die Herrscher mit Hilfe einer einflussreichen, hervorragend organisierten Kaste von Priestern, Militärs und Beamten durchsetzten. Charakteristisch für dieses theokratisch-weltliche Herrschaftssystem war die Schwerpunktsetzung auf eine Kultur des Todes mit ihren, den Alltag wesentlich mitbestimmenden Nekropolen und Bestattungsriten. Weltberühmt geworden sind in diesem Zusammenhang insbesondere die bis heute erhaltenen Pyramidenbauten für die imposanten Königsgräber in Gizeh.

Die altägyptische Geschichte war einerseits von Wellenbewegungen des Aufstieges und des, oft durch äußere Einflüsse begünstigten, politischen Niedergangs geprägt, andererseits auch durch eine erstaunliche Kontinuität in der Struktur der vom Rhythmus des Nils bestimmten Gesellschaft bestimmt gewesen.

Nach dem Zusammenbruch des „Neuen Reiches“ (1017 v. Chr.) wurde Ägypten von Assyrern und schließlich Persern besetzt, die im Laufe der Jahrhunderte größtenteils „ägyptisiert“ wurden. Die ägypto-persische Oberschicht wurde im Jahr 332 vor Christi mit der Invasion des Alexandria gründenden Alexanders des Großen verdrängt. Aus dem auf Alexanders Tod folgenden Diadochen-Kämpfen um die Nachfolge des großen Makedoniers ging schließlich 312 vor Christi Ptolemaios I. als Sieger hervor, dessen Dynastie bis 30 vor Christi den Pharaonen-Thron besetzt hielt.

In diesem Jahr starb die letzte Ptolemäerin Kleopatra VIII., und in Folge wurde Ägypten Teil des römischen Reiches, das damit fast den gesamten mediterranen Raum mit seinen Küsten sowie allen Inseln wie Korsika, Zypern oder den Balearen mit Mallorca und Menorca umfasste. Die römische beziehungsweise byzantinische, mit Christianisierung einhergehende, Zeit Ägyptens endete mit der Eroberung durch die muslimischen Araber im Jahr 642 und der Einbindung in das Kalifenreich- beziehungsweise seit 1517 in das Osmanische Reich. Insbesondere von 1250 bis 1805 hatte das rasch weitgehend islamisierte Ägypten als so genannter „Mamluckenstaat“, einen weitgehend autonomen Status.

Diese semi-souveräne Stellung konnten nach einer kurzen napoleonischen Episode (1798-1801) und der Zerschlagung der Mamlucken-Herrschaft auch die osmanischen Vizekönige (Khediven) für sich behaupten, bis sie in die Abhängigkeit der Ägyptens nach Bau des Suez-Kanals (1869) zunehmend beherrschenden Briten gerieten. Spätestens Ende der 1880er waren die Briten, die Ägypten schließlich 1914 auch formell zum Protektorat erklärten, die wahren Herren im Land. Auch nach der offiziellen Entlassung in die Unabhängigkeit änderte sich diese Situation kaum. Erst mit der Ausrufung der Republik (1953) unter Nasser und dem Abschaffung der britischen Reservats-Rechte im Zusammenhang mit der Suez-Krise (1956) wurde Ägypten wirklich souverän.

Ägypten, das seitdem als Hegemonialmacht der Region gilt, nimmt eine herausragende Stellung bei Fragen der Islamisierung der arabischen Welt und des Palästina-Konflikts ein. Seine Schlüsselstellung bei der Haltung zu Israel ist den letzten Jahrzehnten sowohl von militärischen Auseinandersetzungen als auch von konstruktiven Ansätzen beim „Peace Building“ bestimmt worden. Nach Ende der rigiden Mubarak-Ära durch den „Arabischen Frühling“ 2011 blickt die Welt mit gespannter Aufmerksamkeit auf die weitere Entwicklung im Land zwischen Mittelmeer und Rotem Meer.